Freie und Hansestadt Hamburg

Staatliche Pressestelle

 

13. Dezember 2001 /bsjb13                                                           Sperrfrist: 16:30 Uhr

Senator Lange und Prof. Dr. Dr. Lehmann präsentieren neue Schul-Studie

Ergebnisse der Erhebung von Aspekten der Lernausgangslage und der Lernentwicklung – Klasse 9 (LAU9)

Im September 2000 stand für 12.620 Neuntklässlerinnen und Neuntklässler aus 550 Klassen an 188 Hamburger Schulen "LAU" auf dem Stundenplan. Die Schülerinnen und Schüler beantworteten Fragen zu Prosa- und Sachtexten, begaben sich auf Fehlersuche, lösten Mathematikaufgaben, ergänzten Worthälften in fremdsprachlichen Texten und füllten Fragebögen aus. Die zentralen Ergebnisse dieser in der Bundesrepublik Deutschland bisher einmaligen Schulleistungsstudie stellte heute, am 13. Dezember 2001, Bildungssenator Rudolf Lange gemeinsam mit dem Leiter der Forschungsgruppe an der Humboldt-Universität zu Berlin, Professor Dr. Dr. Rainer Lehmann, im Rahmen eines Pressegesprächs vor.

 

Als zentrale Befunde des jetzt vorgelegten Berichts der Forschungsgruppe stellte Senator Rudolf Lange heraus: "LAU 9 zeigt: Hamburgs Lehrerinnen und Lehrern gelingt es in allen Schulformen, Schülerinnen und Schüler der unteren Leistungsgruppen zu beträchtlichen Lernfortschritten zu verhelfen. Dagegen müssen wir unsere Anstrengungen, die leistungsstarken Schülerinnen und Schüler in allen Schulformen ihrem Lernpotenzial entsprechend zu fordern und zu fördern, mit allem Nachdruck intensivieren. Wir haben zu viele Schülerinnen und Schüler in den unteren Leistungsbereichen und eine zu dünne Leistungsspitze. Unser besonderes Augenmerk muss aber auch auf der Gruppe jener Schülerinnen und Schüler liegen, deren Lernpotenzial nicht ausgeschöpft wird. In den Befunden sehe ich die zentralen Herausforderungen für die Weiterentwicklung des Hamburger Schulwesens: Wir müssen unsere Schülerinnen und Schüler besser als bisher ihrem jeweiligen Lernpotenzial entsprechend fordern und fördern, wir müssen die Entwicklung der sprachlichen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund stärker unterstützen und wir müssen verbindliche Leistungsstandards festlegen, die für die verschiedenen Klassenstufen in den jeweiligen Schulformen gelten."

 

Anschließend präsentierte Prof. Lehmann die wesentlichen Ergebnisse der LAU-9-Studie.

 

Allgemeine Befunde:

Fachspezifische Befunde:

Die Lernentwicklungen verlaufen in den verschiedenen Fächern bzw. Lernbereichen unterschiedlich:

Vergleich der LAU-9- und der PISA-Befunde:

Zwar sind die LAU-Befunde nur eingeschränkt mit den Ergebnissen von PISA vergleichbar, denn im Unterschied zu PISA (international) haben an LAU 9 nicht 15-Jährige teilgenommen, sondern Neuntklässlerinnen und Neuntklässler. Zudem ist PISA eine Querschnittsstudie, LAU dagegen eine Längsschnittstudie, die Aussagen nicht nur zu den erreichten Lernständen, sondern auch zu den Lernentwicklungen ermöglicht. Gleichwohl finden sich einige bemerkenswerte Übereinstimmungen. So bestätigt LAU 9 den Befund aus der PISA-Studie, dass die Leistungsspitze in allen Schulformen nicht ihrem Lernpotenzial entsprechend gefordert und gefördert wird. LAU zeigt, dass dies vor allem auf die deutlich verlangsamten Lernfortschritte der Jungen zurückzuführen ist. Ebenso bestätigt LAU 9 den PISA-Befund, dass es zwischen den Schulformen und Kursniveaus große Überlappungsbereiche gibt, die darauf hindeuten, dass ein nennenswerter Teil der Schülerinnen und Schüler nicht seinem Lernpotenzial gemäß eingestuft ist. Wie in PISA für Deutschland insgesamt berichtet, stehen die ungünstigeren Lernentwicklungen der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund auch in Hamburg in engem Zusammenhang zu ihren sprachlichen Kompetenzen, insbesondere der Lesekompetenz. Und wie in der PISA-Studie zeigt auch LAU, dass Schülerinnen und Schüler gleicher Lernausgangslage je nach dem sozialen Status ihrer Eltern in unterschiedlichen Bildungsgängen bzw. Kursniveaus unterrichtet werden, dass also soziale Barrieren wirksam sind.

 

 

Für Rückfragen:

Pressestelle der BSJB, Uwe Grieger, 428 63 2003

Zurück zur vorigen Seite