Max Brauer Schule: Offener Brief und Aufruf 2002

MBS
Elternrat der Max-Brauer-Schule
– Gesamtschule –
Bei der Paul Gerhardt Kirche 1-3
22761 Hamburg

 

Offener Brief des Elternrats der Max-Brauer-Schule

Senator Rudolf Lange
Präses der Behörde für Bildung und Sport
Hamburger Str.31

22083 Hamburg

 

Hamburg den 21.6. 2002

 

Sehr geehrter Herr Lange,

Sie haben bei Amtsantritt im Oktober 2002 eine Bildungsoffensive und eine bessere Ausstattung der Schulen mit LehrerInnen und Lernmitteln versprochen. Ihr Argument: Bildung sei für die Zukunft der Stadt und ihre Kinder unerlässlich. Offensichtlich haben sie Ihre Meinung zwischenzeitlich geändert und massive Kürzung von Unterrichtsstunden, die Schließung von Bildungsgängen und weitere Kürzungen bei Lehr- und Lernmitteln veranlasst. Das bedeutet für den Unterricht:

  • größere Klassen und Lerngruppen;
  • geringere Fächerauswahl;
  • weniger individuelle Förderung und damit schlechtere Lernerfolge;
  • weniger soziales Leben in der Schule und mehr soziale Spaltung.

Ihr neues Argument: Wir müssen sparen und andere Prioritäten setzen. Sie behaupten, Hamburg stehe kurz vor dem Bankrott. Das ist eine grobe Überzeichnung der tatsächlichen Situation. Alle Wirtschafts- und Finanzberichte weisen Hamburg als eine der wachstumsstarken Metropolen Europas aus. So stellt etwa die Mc-Kinsey-Studie über Hamburgs zukunftsperspektiven, die Sie ja sicherlich kennen, fest, dass die Bruttowertschöpfung in Hamburg in den letzten zwanzig Jahren, gemessen an den alten Bundesländern, überdurchschnittlich stark gewachsen ist.

Natürlich sehen auch wir Eltern, die durch Steuerausfälle verursachten finanziellen Probleme der Stadt. Eine reine Sparpolitik hilft da allerdings nicht weiter. Sie programmiert nur die nächsten Kürzungsrunden. Der Ruf von Senator Peiner als »Brüning von Hamburg« (»Die Welt«) lässt uns da nichts Gutes erahnen. Brüning hat bekanntlich durch seinen Sparpolitik erheblich zur Zerstörung der Weimarer Republik beigetragen. Wir meinen, unsere Stadt hat eine andere Zukunft verdient. Sie wird allerdings nur dann eine gute Zukunft haben, wenn trotz schwieriger (aber keineswegs katastrophaler) Finanzlage in Wirtschaft, Infrastruktur und öffentliche Dienstleistungen, vor allem in Bildung investiert wird. Bildung und Soziales sind unerlässliche Investitionen in die Zukunft Hamburgs.

  • Wer heute bei der Bildung spart, dem fehlen morgen qualifizierte und motivierte MitarbeiterInnen in der Wirtschaft.
  • Wer heute bei der Bildung spart, muss morgen mehr Geld ausgeben für die Bewältigung sozialer Probleme.

Von den o.g. Kürzungen besonders betroffen sind die Gesamtschulen, und damit auch unsere Max-Brauer-Schule, deren Personalbestand um 10% gekürzt werden soll. Für 2003 ist gar eine Halbierung der Sachmittelzuweisungen an die Gesamtschulen vorgesehen. Ihre Begründung: Die Gesamtschulen seien bisher übermässig bevorzugt worden. Dies ist ein merkwürdiges Argument. Jede Firma und jede Behörde teilt ihren Abteilungen Personal- und Sachmittel nach der zu bewältigenden Aufgabe zu. Diese Regeln gelten offensichtlich für die Schulbehörde nicht.

Die Gesamtschule hat laut Schulgesetz die Aufgabe »Schüler unterschiedlicher Fähigkeiten und sozialer Herkunft gemeinsam (zu) unterrichten und (zu) erziehen und sie unter Vermeidung frühzeitiger Festlegung auf bestimmte Bildungsgänge durch differenzierte Leistungsanforderungen, durch Wahlmöglichkeiten und unterstützende pädagogische Maßnahmen zu fördern.« Dieses besondere Anforderungsprofil für die Gesamtschulen erfordert eine entsprechende Ausstattung mit Personal- und Sachmitteln. Die von Ihnen eingeleiteten Sparmaßnahmen entziehen den Gesamtschulen die Existenzgrundlage. Sie können ihren Auftrag, sozialintegrativ zu wirken und auch SchülerInnen aus schwierigeren sozialen Verhältnissen die Chance auf eine gute Ausbildung zu bieten, kaum mehr erfüllen.

Wir können daraus nur eine Schlussfolgerung ziehen: Sie wollen keine sozialintegrativen Schulformen, sondern eine Konzentration auf Eliteförderung. Mit einem Federstrich zerstören sie so die Bildungs- und Zukunftschancen vieler Kinder und Jugendlicher. Sie tun dies in Kenntnis der Resultate der PISA-Studie, die ausweisen, dass gerade Länder mit integrativen Systemen, wie beispielsweise Finnland, die besten Bildungsergebnisse (auch an der Spitze) vorweisen können. Damit steht diesen Länder ein Bildungspotential zur Verfügung, dass ihre Wirtschafts-und Finanzkraft außerordentlich stärkt. Es zeigt sich: Bildungssysteme, die allen Kindern und Jugendlichen mitnehmen und allen eine Chance geben, sind die beste Zukunftsinvestition für eine Gesellschaft.

Wir, die Eltern, Schüler und Lehrer der Max-Brauer-Schule in Altona sind deshalb nicht gewillt, die von Ihnen eingeleitete Sparpolitik hinzunehmen, die die Zukunft unserer Kinder und unserer Stadt außerordentlich belastet. Wir fordern sie auf, die Kürzungen im Bildungsbereich zurückzunehmen. Hamburg braucht für eine lebenswerte Zukunft gute Schulen, die allen Kindern und Jugendlichen optimale Chancen bietet. Niemand darf dabei auf der Strecke bleiben. Wir wissen aus jahrelanger Erfahrung: Eine gute integrative Schule ist auch für das soziale Miteinander vor Ort unerlässlich. Sie wirkt weit in die Stadt hinein.

Wir werden, so fürchten wir, auch weiterhin nicht darauf vezichten können, unserem Protest Ausdruck zu verleihen und die Öffentlichkeit über die fatalen Folgen Ihrer Politik aufzuklären Deshalb werden wir unsere Unterschriftensammlung fortführen und am Donnerstag den 27. Juni ab 11.30 Uhr gemeinsam mit anderen Schulen eine weitere Protestaktion von Schülern, Lehrern und Eltern der Max-Brauer Schule durch unseren Stadtteil durchführen.

Darüberhinaus lassen wir jetzt prüfen, ob die von Ihnen eingeleiteten Sparbeschlüsse überhaupt zulässig sind. Viele Eltern haben ihre Kinder bewusst auf eine Gesamtschule geschickt. Sie gingen dabei davon aus, dass die Schulen auch entsprechend ihrer oben zitierten, besonderen Aufgabenstellung personell und finanziell ausgestattet werden. Ihre Sparbeschlüsse sind in dieser Hinsicht ein Betrug an Kindern und Eltern und ein glatter Rechtsbruch, den wir nicht hinnehmen wollen.

Mit freundlichen Grüssen

i.A. Bernhard Müller
Vorsitzender des Elternrat der Max-Brauer-Gesamtschule HH-Altona

 

 

Eine gute Schule für eine gute Zukunft!

Der Hamburger Senat versprach bei Amtsantritt eine Bildungsoffensive und eine bessere Ausstattung der Schulen mit LehrerInnen und Lernmitteln. Denn Bildung sei für die Zukunft der Stadt und ihre Kinder unerlässlich.

Stattdessen veranlasst nun der Bildungssenator Lange eine massive Kürzung von Unterrichtsstunden, die Schließung von Bildungsgängen und weitere Kürzungen bei Lehr- und Lernmitteln. Das bedeutet für den Unterricht:

  • größere Klassen und Lerngruppen;
  • geringere Fächerauswahl;
  • weniger individuelle Förderung und damit schlechtere Lernerfolge;
  • weniger soziales Leben in der Schule und mehr soziale Spaltung.

Das Argument des Senats: Wir müssen sparen und andere Prioritäten setzen. Wir meinen: Bildung und Soziales sind unerlässliche Investitionen in die Zukunft der Stadt.

  • Wer heute bei der Bildung spart, dem fehlen morgen qualifizierte und motivierte MitarbeiterInnen in der Wirtschaft.
  • Wer heute bei der Bildung spart, muss morgen mehr Geld ausgeben für die Bewältigung sozialer Probleme.

Von den o.g. Kürzungen besonders betroffen sind die Gesamtschulen, deren Personalbestand um 10% gekürzt werden soll. Damit können die Gesamtschulen ihren Auftrag sozialintegrativ zu wirken und auch SchülerInnen aus schwierigeren sozialen Verhältnissen die Chance auf eine gute Ausbildung zu bieten, immer weniger erfüllen.

Wir SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern der Max-Brauer-Schule in Altona sagen: Schluss mit den Kürzungen im Bildungsbereich zu Lasten der SchülerInnen und der Pädagogen. Hamburg braucht für eine lebenswerte Zukunft gute Schulen, die allen Kindern und Jugendlichen optimale Chancen bietet. Niemand darf dabei auf der Strecke bleiben. Wir wissen aus jahrelanger Erfahrung: eine gute integrative Schule ist für das soziale Miteinander vor Ort unerlässlich. Sie wirkt weit in die Stadt hinein.

Wir veranstalten deshalb gemeinsam mit anderen Schulen eine

Protestaktion von Schülern, Lehrern und Eltern der Max-Brauer Schule
Donnerstag den 27. Juni
Start des Demonstrationszuges um 11.30 Uhr vor der Max-Brauer-Schule, An der Paul-Gerhardt-Kirche; Luftballonaktion und Kundgebung
gegen 12.00 Uhr auf dem Spritzenplatz

Schließen Sie sich uns an. Es gilt, diese verhängnisvolle Politik zu stoppen.

Unterstützen Sie uns durch ihre Beteiligung an der Demonstration und/oder durch ihre Unterschrift unter unseren Protest.

Elternrat der Max-Brauer-Gesamtschule HH-Altona

 

 

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