Gewinner ! ...aber erfolgreich ?

Die diesjährige Anmelderunde ist in der Fachöffentlichkeit als angesichts der landespolitischen Großwetterlage überraschender Erfolg für die Gesamtschulen (beider Organisationsformen) gewertet worden, auch die Hamburger Medien äußerten sich entsprechend.

Die Zahlen sprechen hierzu auch eine eindeutige Sprache: die absolute Zahl der Anmeldungen (3.888) für die integrierten Gesamtschulen lag seit Jahren nicht mehr so hoch, trotz der beiden auslaufenden Standorte Grellkamp und Bruno-Tesch ist auch der prozentuale Anteil (28%) an den Anmeldungen seit vier Jahren nicht mehr so hoch gewesen. Insgesamt hat sich die Schulform (auch die beiden kooperativen Standorte) also gut behauptet, der Gegenwind seitens des Mitte-Rechts-Senats hat zu keiner "Massenflucht" geführt.

Lehnen wir uns also zurück und sind zufrieden.

So einfach ist es leider nicht, denn eine genaue Analyse der Einzelzahlen trübt das Bild: Auf der rein formalen Ebene verfehlten nicht weniger als sieben Schulen (ohne Albert-Schweitzer, da Sondersituation) die schulgesetzlich vorgeschriebenen 78 Anmeldungen, diese "Problemstandorte" reduzieren sich durch regionale Unverzichtbarkeit, Integrationsklassen und Zuweisungen von anderen Standorten zwar noch, einige Standorte bleiben aber gefährdet.

Auch das erfreuliche Gegenteil ist nicht unproblematisch: Die Schulen mit sehr guten Anmeldezahlen müssen SchülerInnen "umorientieren" oder abweisen, ob diese an einer anderen Gesamtschule landen werden, ist nicht gesichert.

Die Vielfältigkeit der Hamburger Gesamtschulen mit ihren verschiedenen Zügigkeiten, Stufen und Profilen ist natürlich reizvoll, verfestigt sich aber doch zumeist in einer zur Besorgnis Anlass gebenden Art und Weise, die mit den Begriffen große Oberstufen-Gesamtschulen, Stadtteilflucht und differenzierter Creaming-Effekt nur angedeutet werden sollen.

Ein weiterer Wermutstropfen: Von der Schulzeitverkürzung der Gymnasien konnten wir (vorerst) nicht profitieren, angesichts der zu erwartenden Auslese-verstärkung an dieser Schulform werden wir uns im Gegenteil in den nächsten Jahren mit verstärkten Rückläuferanfragen auseinandersetzen müssen, die zumindest zwiespältig zu sehen sind.

Ob der Trend zu den Gymnasien in den nächsten Jahren nachlassen wird, bleibt unklar, die Anzahl der Haupt- und Realschulstandorte wird kaum haltbar sein, mehr als vierzig Prozent der Schulen erreichen nicht mehr die formale Zweizügigkeit.

André Bigalke

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