Max – Mali
Die Maligruppe der Max-Brauer-Gesamtschule fährt nach Mali mit dem Ziel in der Partnerschule eine Solaranlage zu installieren

Im Oktober 2001 fing alles an: Lehrer/innen und Schüler/innen der Schule Alpha Ali Seck aus Bandiagara in Mali/Westafrika wünschten sich eine Solaranlage zur Stromgewinnung, um auch bei Dunkelheit am Abend lernen zu können. Dies hatten wir von Herrn Madani Dembele, einem malischen Studenten in Hamburg erfahren, der selber diese Schule besucht hatte. Das Projekt "Strom für Bandiagara" wurde ins Leben gerufen: Wir wollten mit einer kleinen Solaranlage nach Mali fliegen.

Schnell fanden sich Lehrer/innen und Schüler/innen, die von dieser Idee begeistert waren. Für uns stand fest, dass unser Hauptanliegen der Aufbau einer kontinuierlichen Schulpartnerschaft zwischen der Schule Alpha Ali Seck und der Max-Brauer-Gesamt­schule sein sollte. Das musste gut vorbereitet werden. Bis zu unserem Abflug trafen wir uns regelmäßig in unserer "Maligruppe". In kleinen Projekt­gruppen beschäftigten wir uns mit Photovoltaik, bauten probeweise eine Solaranlage auf, machten Messungen und Experimente rund um die Solarenergie, lernten unter Anleitung eines Elektrotechnikermeisters in der Gewerbeschule 10 das Kabelverlegen und Grundbegriffe der Elektroinstallation, beschäftigten uns mit Kultur, Geschichte und den Lebensbedingungen des Landes Mali, machten einen Crashkurs in Französisch und planten den Aufbau einer nachhaltigen Schulpartnerschaft.

Im September 2002 organisierten wir zusammen mit der Senatskanzlei einen vierwöchigen Besuch zweier Lehrer aus Bandiagara. Sie hospitierten im Unterricht, be­richteten uns von ihrem Land und besuchten Einrichtungen, die sich mit regenerativer Energie beschäftigen. Gemeinsam veranstalteten wir ein großes Malifest. Zur Finanzierung unseres Projektes verkauften Schüler/innen in privaten Kreisen und auf unseren Flohmärkte sog. "Anteilsscheine" für unsere Solaranlage und warben auf vielen Veranstaltungen für die Unterstützung des Projektes. Zusätzlich wurden Gelder von Stiftungen, Behörden und kirchlichen Einrichtungen eingeworben.

Gut vorbereitet traten wir im Februar 2003 unsere Reise mit 10 Schüler/innen aus den Jahrgängen 8 und 11 im Alter zwischen 13 und 19 Jahren, einigen Lehrer/innen, einem Arzt und einem Elektroingenieur an. In Mali lief dann doch einiges anders als geplant. Unsere Solaranlage hing im malischen Zoll fest und kam trotz intensiver Bemühungen nicht mehr rechtzeitig vor unserer Abreise in Bandiagara an. Inzwischen ist die Solaranlage von einem Techniker der GTZ (Gesellschaft zur technischen Zusammenarbeit) gemeinsam mit Lehrer/innen und Schüler/innen aufgebaut worden. Sechs Klassenräume wurden elektrifiziert und mit Solarstrom versorgt. Bei Dunkelheit können vor allem die Abschlussklassen jetzt in den beleuchteten Klassenräumen ungestört lernen. Die Schule wünscht sich sehr, dass weitere Räume elektrifiziert und mit Solarstrom versorgt werden.

Dennoch haben wir unseren zweiwöchigen Aufenthalt in Mali sehr gut genutzt: Wir haben alle Klassen besucht und selber eine Unterrichtsstunde über Solarenergie vorbereitet und zusammen mit einer malischen Lehrerin abgehalten. Dabei wurden kleine Solargeräte zusammen gebaut, ausprobiert und anschließend der Lehrerin für ihren Unterricht überreicht. Ein weiteres Geschenk war ein Solarkocher, dessen Funktion gleich auf dem Hof ausprobiert wurde.

In vielen Gesprächen und Begegnungen haben wir Einblicke in westafrikanische Lebensverhältnisse und Denkweisen erhalten. Einige Schüler haben Interviews über die Situation der Frauen im Dogonland und das Zusammenleben in einer afrikanischen Großfamilie durchgeführt. Andere haben mit einem GTZ-Vertre­ter über ein Projekt zur zweisprachigen Erziehung an unserer Partnerschule diskutiert oder ein traditionelles Krankenhaus besucht. Bei Zusammenkünften mit allen malischen Lehrer/innen haben wir über die Schulpartnerschaft gesprochen und gemeinsame Ziele festgesetzt. Zehn Schüler/innen wurden ausgewählt, um als Vertreter/innen der Schülerschaft mit unseren Schüler/innen in Briefkontakt zu treten. Besonders die abendlichen Zusammenkünfte unter freiem Himmel im Hof unseres Hotels werden uns noch lange in Erinnerung bleiben. Nach Essenseinladungen in mehrere Familien und einem großartigem Abschiedsfest verließen wir Mali mit dem Gefühl, etwas Nützliches für unsere Partnerschule erreicht zu haben, aber auch selbst reich beschenkt worden zu sein.

Nach dieser Reise haben wir über vieles nachgedacht: das Geschenk einer Solaranlage sollte wie alle Hilfeleistungen immer wieder kritisch ins Verhältnis gesetzt werden zu den Lebensbedingungen der Menschen, denen sie überreicht wird. Auch sollte sensibel beobachtet und erfragt werden, mit welchen technischen Möglichkeiten die Beschenkten selbst überhaupt aktiv umgehen können und vor allem auch wollen.

Nach unserer Rückkehr berichteten wir auf einem Mali-Abend Eltern, Schüler/innen und Lehrer/innen von unseren Erlebnissen und erstellten eine Dokumentation, ein Video und eine Infoseite für die Schulwebseite. Zusammen mit der Schulleitung wurde die praktische Verankerung der Schulpartnerschaft mit der Schule Alpha Ali Seck in Schulleben und Schulprogramm der Max-Brauer-Schule beschlossen. Die Französischkurse haben inzwischen über regelmäßige Briefkontakte eine intensive Verbindung mit den Schüler/innen und Lehrer/innen in Mali aufgebaut. Das Land Mali soll in vielen Unterrichtsfächern in vielfältiger Weise bearbeitet werden. Die Mali-Gruppe trifft sich weiterhin und wird ihren Kreis um interessierte Eltern und Vertreter/innen von Afrika-Gruppen erweitern.

Eine zweite Projektreise wird von dieser Gruppe schon geplant, genauso wie wir uns langfristig für den Gegenbesuch unserer malischen Partner bei uns in Hamburg einsetzen wollen.

Inge Feddersen ¨

Fotos von Matthias Möller-Friedrich und Inge Feddersen

Hinweis:

Der komplette Reisebericht ist auf der Homepage www.max-brauer-schule.de nachzulesen Der Reisebericht ist auch als Broschüre und als CD-Rom erhältlich.

Auf der Homepage wird außerdem über die weitere Arbeit der Mali-Gruppe berichtet.

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