„Die Gesamtschule ist diskreditiert“ höre ich gelegentlich, vor allem von Menschen, deren Urteil von keinerlei Sachkenntnis getrübt ist.
Ihnen und überhaupt Allen, die mit Bildungspolitik befasst sind, empfehle ich dringend diesen Reader gründlich zu lesen.
Im ersten Teil wird auf rund vierzig Seiten dokumentiert, wie es zu Gesamtschulen in Deutschland kam. Gesetzestexte, Direktiven und Kommissionsempfehlungen sind leider eine etwas trockene Lektüre. Aber den historischen Hintergrund zu kennen, ist notwendig, aus ihm erklärt sich so manche Eigenheit der heutigen deutschen Gesamtschulen – und damit der heutigen Debatte um die Schulstruktur. Vielleicht wäre es für die Lesbarkeit des Buches besser gewesen, diese Dokumentation nicht an den Anfang zu stellen. Denn die restlichen knapp dreihundert Seiten sind nicht nur informativ, sondern auch spannend zu lesen.
Im zweiten Teil, „Länderberichte“ überschrieben, wird erstmal der Hick-Hack um die Gesamtschule in der Kleinfelderwirtschaft der deutschen Kultusministerien nachgezeichnet. Wenn’s nicht so traurig wär, könnte man über diese Groteske laut lachen. Es folgen Berichte über die Entwicklung des einheitlichen Schulwesens in Frankreich, im beliebten Schweden, in England, den USA und in Japan. Insgesamt ein erfrischender Blick über den Gartenzaun: Andere Länder, andere Schwierigkeiten, andere Lösungen.
Der dritte Teil ist einzelnen Problemfeldern der heutigen deutschen Gesamtschulpraxis gewidmet: Differenzierung und Integration, Beurteilungsverfahren, soziales Lernen, Lernen in Zusammenhängen, Ganztagschulen, Oberstufe, Lehrerbildung. Hier wird deutlich, wie viel pädagogisches Wissen sich mittlerweile in den Gesamtschulen angesammelt hat – und man ärgert sich umso mehr, dass die Gesamtschule in Deutschland nicht die einzige Schulform ist.
Ob und wie sich das ändern lässt, wie sich die Gesamtschulen weiter entwickeln müssen, ist Thema des letzten Teils.
Siebzehn AutorInnen haben Beiträge für den Reader bereitgestellt. So konnten viele Aspekte behandelt werden
Bleibt zu hoffen, dass das Buch etwas mehr Klarheit in verschiedene Köpfe bringen möge.
Sabine Roever ¨
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