Kürzungen im Fach Arbeitslehre
Die Horrormeldung über 10,3 % Kürzung (Es ist keine Einsparung, sonst hätten wir ja an anderer Stelle etwas davon!) klingt uns noch in den Ohren., die Auswirkungen haben wir spätestens zu Schuljahresbeginn erfahren, und deutlich spüren wir LehrerInnen und die SchülerInnen jetzt im Schulalltag, was sie bedeuten.
Für den Unterricht im Fach Arbeitslehre an einer großen Hamburger Gesamtschule bedeutet das,
usw.
Die Liste mag jeder für sich erweitern oder abwandeln.
Ich erinnere daran, dass erst vor wenigen Jahren die SchülerInnen und LehrerInnen der Gesamtschulen die Einführung von Englischunterricht in der Grundschule damit bezahlen mussten, dass im Fach Arbeitslehre nicht mehr halbe, sondern dann 2/3 Klassen unterrichtet wurden. Schon damals musste z.B. ein wichtiger und attraktiver, bestens eingeführt und bewährter Unterrichtsgegenstand wie Arbeiten am Fahrrad aufgegeben werden.
Ich denke an Veröffentlichungen zur Arbeitssicherheit in Werkstatt und Lehrküche, die kürzlich eine Gruppengröße von 15 als Optimum angeben (Bundesverband der Landesunfallkassen: pluspunkt 4/2001, S.10/11) oder schon vor Jahren 16 SchülerInnen für Hamburger Haupt- und Realschulen als Normzahl angaben. (Gibt es eigentlich je nach Schulart unterschiedliche Sicherheitserfordernisse? – wohl kaum!)
So weit – so schlecht!
Die neuen Rahmenpläne/Bildungspläne für das Fach Arbeitslehre an Hamburger Gesamtschulen liegen immer noch nicht vor. Nicht nur unter der alten, erst recht unter der neuen Regierung wird immer wieder formuliert, verworfen, neu strukturiert, verworfen. Erfreulich ist jedenfalls, dass wohl die integrative Arbeitslehre als Zielvorgabe postuliert wird. Klar ist aber auch, dass die Umsetzung der neuen Pläne auch neue Qualifizierung der FachkollegInnen erfordern wird.
Veränderte Inhalte, neue Methoden, andere Zielsetzungen werden dies zwingend erfordern, wenn die Pläne nicht im Regal als ein Papier mehr verschwinden sollen. – Und das wollen wir nicht!
Die Erwartung, dass sich dies in Angebot und Ausstattung des Instituts für Lehrerfortbildung auswirken wird, wurde bitter enttäuscht – sie ist wohl in diesen Zeiten auch abwegig: Insgesamt 30 Planstellen (in Worten: dreißig) wurden zu Beginn des Schuljahres im Bereich Lehrerfortbildung gestrichen sowie Abordnungen generell nicht verlängert.
Für unser Fach heißt das konkret:
Das Beratungsfeld Arbeitslehre an Gesamtschulen gibt es nicht mehr!
Es war ohnehin mit sechs Stunden nur kläglich ausgestattet, dort wurde aber außerordentlich fruchtbare Arbeit geleistet.
Hierher gehört im Namen der SchülerInnen, der FachkollegInnen und der FachvertreterInnen ein ganz herzlicher Dank an Hans-Jürgen Benecke, der in den letzten Jahren diese Aufgabe mit großem Einsatz weit über seine Verpflichtung hinaus wahrgenommen hat und dabei in verschiedene Richtungen Innovation angeschoben hat, insbesondere zur Anwendung des Computers im Arbeitslehreunterricht.
Das alles wird uns fehlen!
Der Fachbereich Arbeitslehre ist übrigens einer der wenigen, in denen seit den Zeiten der Landesfachausschüsse (das waren Zeiten!) die Fachvertreter regelmäßig mehrmals im Jahr zusammen kommen. Wir bilden uns fachlich weiter, tauschen Erfahrungen, Tipps und Unterrichtsmaterialien aus, stärken uns gegenseitig für unsere komplexe, nicht immer leichte Aufgabe, begleiten die Rahmenplanarbeit und vertreten die Belange unseres Faches nach außen. Bisher war das so. Und wir sollen alles daran geben, eine Fortsetzung sicher zu stellen!
Auch dies also ist konkret die neue Hamburger Bildungspolitik (so ganz neu ist sie ja leider nicht). Gute, bewährte Unterstützungs-, Beratungs- und Qualifizierungsarbeit wird aufgegeben – einfach so! Und das bei gleichzeitig wachsenden berechtigten Anforderungen der Gesellschaft, von Politik und auch Wirtschaft nach Verstärkung der Orientierung auf die Arbeitswelt, aber auch auf die Technik.
Wir blicken gerne nach vorne auf der Suche nach neuen Wegen, aber auch unter Erhaltung bewährter Spuren. Wir erleben aber zusehends, wie Kräfte zerrieben, Motivationen abgeblockt und berechtigte Erwartungen enttäuscht werden.
Positive Veränderungen der Bildungspolitik werden nicht von alleine kommen.
Öffentliche Proteste und Forderungen formieren sich z.B. als Hamburger "Volkspetition: Bildung ist Menschenrecht ...".
Wir brauchen aber gerade jetzt erst recht auch das Zusammenstehen der AL-Fachkollegien an den Hamburger Gesamtschulen vor Ort und landesweit. Wer, wenn nicht wir soll das Fach Arbeitslehre voranbringen?
Übrigens: Demnächst wird noch einmal zu einem Treffen der Fachvertreter AL eingeladen.
Es liegt an uns, wie es dann weitergeht.
Albrecht Werner,
Fachvertreter Arbeitslehre,
Ida Ehre Gesamtschule in Hamburg
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