Zum Lesen empfohlen:

"Wir glauben, daß es keinen anderen Weg gibt, als immer wieder von der persönlichen und konkreten Erfahrung des Kindes auszugehen."

Durch den Kauf dieses Buches können wir einen finanziellen Beitrag zur Sicherung des Kindergartens und der Schule, über die in diesem Buch berichtet wird, leisten.

Andreas Baumgarten

Dafür dass dies ihr und ihren Kolleginnen und Kollegen immer wieder gelingt, gibt Rebeca Wild in ihrem Buch anschauliche Beispiele. Es ist faszinierend zu lesen, wie sich die Autorin, ausgehend von ihren Erfahrungen, daran gemacht hat ihre Vorstellungen von Erziehung, Kindergarten und Schule Schritt für Schritt Realität werden zu lassen.

Einer ihrer leitenden Grundsätze der "aktiven Schule" lautet: "Die Umgebung der Schule muß so interessant gestaltet sein, daß die Sinne auf einer möglichst hohen Bewußtseinsstufe arbeiten." (S. 202) Dabei kommt sie wie nebenbei auch auf die Problematik der (sogenannten) hyperaktiven Kinder zu sprechen: "Stillsitzen und nur dann reden, wenn man gefragt wird, ist für Schulkinder nur unter Unterdrückung ihrer normalen Veranlagung zu schaffen." (S. 250) Auch diese Einsicht erzwingt geradezu einen veränderten Unterricht.

Der Erfolg ihrer Arbeit und das Überzeugende ihrer Darstellung liegt an Rebecca Wilds Arbeitsweise, einer ständig reflektierten Praxis. Daraus hat sie eine für "ihre" Kinder und Jugendlichen passende Form gefunden, die Ansätze verschiedener (Reform-) Pädagoginnen und Pädagogen vereint: Sei es die Idee der "Selbsterziehung des Kindes" (Maria Montessori), seien es altersgemischte Gruppen (Peter Petersen), seien es Vorstellungen zur Entwicklungspsychologie nach Jean Piaget oder vieles mehr. Jedoch gilt für die Autorin der Grundsatz, "daß bei uns nie die Theorie vor der Praxis da war, sondern sich umgekehrt durch die Praxis immer neue Fragen ergaben, auf die wir eine Antwort suchten ..." (S. 67).

Immer geht es ihr um einen "respektvollen Umgang mit Kindern" (S. 72). Dies erinnert uns stark an den von Wolfgang Schulz geprägten Begriff des "respektvollen Dialogs".

Die Arbeit der Autorin erstreckt sich über alle Altersstufen der Kinder und Jugendlichen. Für die Arbeit mit Jugendlichen in einem Alter zwischen 13 und 17 Jahren lässt sie sich von dem Grundsatz leiten, dass "in diesem Alter der Umgang mit immer neuen, offenen sozialen Erlebniswelten zunehmend an Bedeutung gewinnt" (S. 267). Hier liegt der Gedanke an die Bildungsgangdidaktik, vertreten etwa durch Meinart A. Meyer, nahe.

Es ist ein bewegendes Buch, das Mut macht innezuhalten und darüber nachzudenken, was wir in der Schule tun (wollen). Es eröffnet darüber hinaus die Perspektive, mit dem einen oder anderen kleinen Schritt gleich beginnen zu können, ohne erst auf die große Schulreform zu warten.

Übrigens: Dass Rebeca Wild ihre Vorstellungen in Ecuador und nicht in Deutschland umgesetzt hat, sollte für uns eigentlich nebensächlich sein.

Rebeca Wild: Erziehung zum Sein
Arbor Verlag Valentin 1998, 283 S,
18,41 €

Andreas Baumgarten

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