Ganztagsschulen im Aufwind
Ganztagsschulen sind "in". Nicht zuletzt durch die Initiative der Bundesregierung sind die Länder etwas in Schwung gebracht worden. Hamburg hat sein zögerliches Ganztagsschul-Ausbauprogramm jetzt beschleunigt. Das ist gut, denn auf diese Weise bekommen mehr Schulen eine Chance der Umwandlung. Die Berichte aus den Ganztagsschulen machen Mut. Soweit man hört, will keine den Schritt wieder rückgängig machen. Zu große sind die Vorteile für das Lernen aber auch die der Arbeitsplatzgestaltung der Lehrerinnen und Lehrer.
Nun hat Hamburgs Landesregierung mit ihrer Entscheidung, die Gymnasialschulzeit auf regulär 8 Jahre zu kürzen, zugleich die Weichen für deren Ausbau zu Ganztagsgymnasien gestellt. Ab dem kommenden Schuljahr haben alle Siebtklässer 34 Unterrichtsstunden pro Woche – verteilt auf 5 Tage, also nur an einem Tag 6 Unterrichtsstunden, sonst mehr. Und wer die Kultur der Arbeitsgemeinschaften in vielen Gymnasien kennt, weiß, dass es bei diesen 7 Stunden an vier Tagen nicht bleibt.
Folgerichtig hat der neue Leiter der S 2 Abteilung, Rosenboom, die Gymnasien angeschrieben und eine schnelle Entscheidung darüber eingefordert, wie diese das Problem der Mittagsverköstigung an den länger werdenden Schultagen lösen wollen. Gefragt wird nach einer Antwort der Schulleitung, nicht nach einem Votum der Schulkonferenz, Denn hier könnten sich kurzfristig die Beharrungskräfte durchsetzen. Ganztagsschulen sind im Gymnasialbereich noch unbekanntes Terrain. Die Gymnasial-Schulleitungen werden eher
Wir haben mehr als andere Schulformen unter Einsparungsentscheidungen (nicht erst, aber besonders dieser Landesregierung) zu leiden gehabt. Die Diskussion um das neue Lehrerarbeitszeitmodell mit der aufgesattelten Auskömmlichkeitshypothek und im Durchschnitt zwei Stunden mehr Unterricht tut ein übriges. Es ist schwer, Kollegien jetzt für ein positives Votum für den Ganztagsschulantrag zu gewinnen.
Aber es ist nötig! Wenn wir Gesamtschulen es der Landesregierung jetzt leicht machen und den Gymnasien das Feld überlassen, geben wir kampflos Terrain auf. Und das in einer Zeit des Rückenwinds für uns aufgrund der PISA- und IGLU-Ergebnisse.
In den Gesamtschulen sind wir uns klar darüber, dass die neuen Arbeitszeitregelungen den Unterrichtsmorgen nicht verkürzen werden. Es wird mehr Springstunden in den Kollegien geben. Wir werden mehr Arbeitszeit in der Schule verbringen und ohne Ganztagsschul-Ausbau dafür nicht mehr Lehrerarbeitsplätze erhalten. Unsere Wahlpflichtbereiche in der Mittelstufe führen ja vielerorts auch jetzt schon zu Nachmittagsunterricht, ganz zu schweigen von der dritten Sportstunde angesichts knapper Hallenflächen.
Es ist ein Akt politischer Klugheit, jetzt Anträge auf Ganztagsschule zu stellen. Ausbleibende Anträge ärgern die Regierung nicht. Abstrafen tun wir uns selbst, wenn wir auf politischen Druck verzichten, Leidtragende sind wir mittel- und langfristig selbst.
Allenfalls kurzfristig könnten die Ganztagsschul-Ablehner stolz sein: Wir haben’s "ihnen" gezeigt. Denn schnell erfolgt der Ausbau zu Ganztagsschulen ohnehin nicht. Vom Antrag zur Umsetzung wird es auch
Gerhard Lein
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