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30 Gesamtschuljahrgänge wurden bis zum Schuljahr 2002/2003 in der Otto-Hahn-Schule begrüßt. Relativ bald nach Gründung der Schule im Jahr 1968 als Gymnasium Jenfeld war klar, dass die Schule einen anderen Weg nehmen sollte, als nur für einen Teil der Schülerinnen und Schüler im Raum Jenfeld – die Gymnasiasten - offen zu sein. Es sollte "eine Schule für alle" sein. Wenige Monate nach Gründung der Schule verfasste die Schulleitung, unterstützt von Mitgliedern des Elternrates und des Kollegiums, eine Schrift, in der man Folgendes liest: "Die Gesamtschule Jenfeld will eine differenzierte Leistungsschule sein, in der Schüler jeder sozialen Herkunft und Leistungsfähigkeit – soweit sie nicht eine Sonderschule besuchen müssen – je nach ihrer Befähigung zu qualifizierten Abschlüssen geführt werden. Ein differenziertes Bildungsangebot", so hieß es weiter, "soll die individuelle Befähigung jedes Kindes so weit wie möglich berücksichtigen und fördern."
Zwei Grundideen prägten den Beginn der Gesamtschularbeit an der OHS: Einmal das Bemühen um die individuelle Förderung des einzelnen Kindes, zum anderen den Leistungsgedanken, der auch und gerade in der Gesamtschule aufrecht erhalten werden sollte. Diese Grundideen wurden in den darauf folgenden Jahren in unterrichtsfähige, praktikable Unterrichtsformen gebracht, das Pflicht- und Wahlpflichtsystem und die Differenzierungsleitlinien entwickelt. Das sog. OHS-Modell – die Einrichtung von Wahlpflichtklassen ab Jahrgang 7 mit besonderen fachlichen Schwerpunkten – entstand als eine machbare Form von Gesamtschule und stellte ein besonderes Modell in Hamburg dar. Die Schule wuchs und konnte 1978 den ersten Gesamtschuljahrgang entlassen, drei Jahre später machten die ersten 60 Abiturienten an der Otto-Hahn-Schule ihr Abitur.
Dass gemeinsames Lernen für alle in "einer Schule für alle" erfolgreich sein kann, hat inzwischen auch eine empirische Grundlage: Erfolgreiche Systeme – so zeigen die PISA-Ergebnisse – unterrichten allesamt die Kinder zusammen. Bei den PISA-Spitzenländern handelt es sich um Länder mit integrierten Schulsystemen, in denen die Schülerinnen und Schüler bis in höhere Klassenstufen (in Schweden und Finnland bis zur 9. Klasse) ohne Klassenwiederholungen und Noten gemeinsam lernen. Die in Deutschland seit dem 19. Jahrhundert vorherrschende Annahme, dass Kinder nur dann angemessen gefördert werden können, wenn man sie nach ihrem Leistungsvermögen trennt, ist damit gründlich widerlegt.
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Methodisch vielfältiger Unterricht, möglichst handlungsorientiert und fächerübergreifend, in Lernsituationen organisierter und auf das Individuum eingehender Unterricht: Das sind die Forderungen heute an eine moderne Unterrichtsarbeit. Deutlich zugenommen haben auch Aufgaben der Schule, erzieherische Defizite in den Elternhäusern aufzufangen und gar gesellschaftliche Missstände mit zu bearbeiten. Das ist gerade in einem Stadtteil wie Jenfeld prägend für die Arbeit an der Schule.
Allerdings lässt sich das nicht ohne eine zeitgemäße Ausstattung mit Personal- und Sachmitteln erreichen und vor allem nicht ohne eine entsprechende Motivation aller an der Schule Beteiligten!
Um zunächst ein positives Beispiel zu nennen: Die Fifty-fifty-Aktion in Hamburg, die die Schulen bis zu 50% an eingesparten Energiebeiträgen teilhaben lässt, hat große Erfolge an Einsparungen erzielt, profitiert haben alle: Schule und "Staatssäckel". Über 50.000 € hat die OHS im vergangenen Schuljahr an Energiekosten eingespart! Unser Schulhofumbau wäre beispielsweise ohne diese Mittel und das Engagement aller Beteiligten nicht möglich gewesen.
Aber nun ein Blick auf die "Motivation" derjenigen, die es eigentlich zunächst zu motivieren gilt: das Personal an den Schulen. Ganz besonders die GesamtschulkollegInnen mussten in den letzten Jahren unentwegt Verschlechterungen ihrer Arbeitsbedingungen hinnehmen.
Zum vergangenen Schuljahr wurde die Situation unter dem neuen CDU/FDP/Schill-Senat extrem verschärft: Die Gesamtschulen hatten sich einer 10,3 %-igen (!) Sparrunde zu unterziehen und das trotz erhöhter Forderungen (beispielsweise der Einführung der 3. Sportstunde für alle Jahrgänge) und wider aller Erkenntnisse aus den empirischen Untersuchungen PISA, LAU u.a. "Schlimmer kann’s nun nicht mehr kommen!" dachte jeder, aber weit gefehlt! Eine erneute drastische Sparrunde – das Prinzip der "Auskömmlichkeit" wurde dazu kreiert – soll gleichzeitig mit einem neuen
Arbeitszeitmodell eingeläutet werden. Mit der Folge, dass die Lerngruppen größer und die vielgepriesene individuelle Betreuung auf der Strecke bleiben muss – und wieder wird es voraussichtlich kaum neue junge LehrerInnen an den Schulen geben! Für besonders schwerwiegend halten wir dabei die Kürzung der speziellen Fördermittel, die uns besonders hart treffen wird: Die PLUS- und DaZ-Stunden sowie die Fördermaßnahmen für deutsche Schüler bei hohem Ausländeranteil sollen bei uns um skandalöse 33,5 % (!) der Stunden zum neuen Schuljahr gekürzt werden!
Lässt sich unter diesen Bedingungen überhaupt noch Gesamtschularbeit machen? Die Eltern und SchülerInnen scheinen es zu glauben, denn im Gegensatz zu allen Prognosen hat die Gesamtschule als einzige Schulform steigende Schülerzahlen zu verzeichnen.
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Das ist für uns natürlich auch eine große Verpflichtung: Eltern und Kinder haben mit ihrem Vertrauen, das sie mit ihrer Anmeldung in uns gesetzt haben, das Recht, dass wir uns intensiv um sie kümmern und der bestmögliche Abschluss für jedes Kind erreicht wird. Um nur ein Beispiel zu nennen: Im vorigen Jahr erreichten ca. 26 % unserer Schüler die Versetzung in die gymnasiale Oberstufe, lediglich 10 % dieser Kinder hatten die gymnasiale Empfehlung beim Eintritt in die 5. Klasse! Das allein ist schon ein deutlicher Auftrag, sich weiter für die Arbeit an der Gesamtschule–und ganz besonders der OHS einzusetzen. Aber natürlich sollen sich alle Kinder –gleich welcher Herkunft, Nationalität und welchen Geschlechts – bei uns wohl fühlen und je nach Leistungsfähigkeit gefördert und gefordert werden. Die Lehrerschaft an der OHS setzt sich dafür auch heute unter schwierigsten Rahmenbedingungen ein.
Neben dem normalen Unterricht wurden in den letzten Jahren in der OHS verschiedene Bereiche schwerpunktmäßig weiter entwickelt:
- Die OHS ist "Umweltschule in Europa" mit vielfältigen Aktivitäten in diesem Bereich.
- Mit umliegenden Stadtteilinstitutionen wird eine enge Kooperation gepflegt.
- Besonders leistungsstarke SchülerInnen nehmen an gezielten Fördermaßnahmen teil (z.B. über die "Beratungsstelle besondere Begabungen" und Teilnahme an Wettbewerben wie "Jugend forscht" u.a.)
- Zur besonderen Förderung von Mädchen im naturwissenschaftlich-technischen Bereich schloss die OHS mit der TU Hamburg-Harburg den 1. Vertrag in Hamburg, viele Aktivitäten haben dazu bereits stattgefunden.
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Die OHS nimmt an dem länderübergreifenden Projekt EBISS (Erweiterte Berufsorientierung im System Schule) teil, in dem die Berufsorientierung durch Intensivierung der Kooperation von Schule und Wirtschaft eine neue Qualität erhalten soll.
- Über eine schulinterne Lehrerfortbildung wird ein Konzept für SchülerInnen mit Deutsch als Zweitsprache erarbeitet, das insbesondere der Förderung von Sprach- und Lesekompetenz im Fachunterricht dienen soll.
- Mit verschiedenen Jugendhilfeträgern wird über die Maßnahme Proregio 2 (ein Kooperationsprojekt zwischen der Jugend- und der Schulbehörde) eine enge Zusammenarbeit gepflegt mit dem Ziel, die SchülerInnen auch am Nachmittag zu fördern und ihnen Raum zu geben, in der Schule besonderen Interessen nachzugehen.
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Aber allein unser Engagement reicht nicht und stößt an Grenzen: Gerade eine heterogene und multikulturelle Schülerschaft, so wie sie unsere ist, erfordert auch eine entsprechend gute Ausstattung mit personellen (und finanziellen) Ressourcen, um die SchülerInnen individuell zu fördern, sonst stehen die Bemühungen der LehrerInnen um gute Lernerfolge ihrer SchülerInnen nur auf dem Papier. Es darf an dieser Stelle daran erinnert werden, dass Deutschland entsprechend seinem Bruttosozialprodukt nur einen deutlich geringeren Satz für die Bildung seiner Kinder aufwändet als Länder mit überdurchschnittlich guten Ergebnissen in den internationalen Untersuchungen.
Renate Wiegandt, Schulleiterin der OHS
Die Otto-Hahn-Schule im Internet: