Chinesisch an der Ida Ehre Gesamtschule

Seit 1986 besteht die Städtepartnerschaft zwischen Hamburg und Shanghai. Im Rahmen der Städtepartnerschaft ist damals auch vereinbart worden, dass an drei Hamburger Schulen Chinesisch unterrichtet wird und jährlich ein Schüleraustausch stattfindet.

Wir sind die einzige Hamburger Gesamtschule, an der Chinesisch angeboten wird. Das Ergebnis kann sich sehen lassen:

Es ist immer wieder ein besonderes Erlebnis, die Shanghaier - Schülerinnen und -Schüler drei Wochen zu Gast zu haben. Es ist immer wieder ein besonderes Erlebnis für unsere Schülerinnen und Schüler beim Gegenbesuch in Shanghai das Leben und die dortigen Schulen kennen zu lernen und die außergewöhnliche Gastfreundschaft der Chinesen zu erfahren.

So manche Schülerin, so mancher Schüler hat aufgrund der Auseinandersetzung mit der Chinesischen Sprache und Kultur so großes Interesse entwickelt, dass dieses Einfluss auf den Studiengang und die Berufswahl gehabt hat.

Christa Carl, Schulleiterin

Ein Erfahrungsbericht

Als ich zu Beginn meines achten Schuljahres davon erfuhr, dass ein neuer Chinesisch-Anfängerkurs an unserer Schule angeboten werden würde, war ich zunächst ganz und gar nicht geneigt, dieses Angebot wahrzunehmen. Ich rechnete mit einem Schwerpunkt auf den Schriftzeichen und ihrem Aussehen. Weil meine Handschrift schon im Deutschen nie besonders gut war, hatte ich also große Zweifel.

Letztendlich siegte die Neugier und ich nutzte die "unverbindliche" Möglichkeit doch. (wie ca. 100 andere Schüler in dieser ersten Stunde auch).

Frau Chengs Ausführungen zu den Unterschieden, die sich im Vergleich zur deutschen Sprache offenbarten, weckten mein Interesse und ich ging von nun an regelmäßig zum Chinesischunterricht. Mit der Zeit lichteten sich die Sitzreihen, weil immer mehr Schüler den Kurs wieder verließen. In mehreren Jahrgangsstufen bildete sich jedoch ein fester Kern von einigen wenigen Schülern, mit denen auch sehr interessanter und erfolgreicher Unterricht möglich war.

Angefangen mit spielerischen Methoden (Memory, Bingo, etc...) begannen wir also damit, unsere ersten Zeichen zu lernen und (sehr einfache) Dialoge zu sprechen. Schnell stellte sich heraus, dass (trotz des schwierigen Lernens der Schriftzeichen) viele Dinge in der chinesischen Sprache auch deutlich leichter sind. So existiert beispielsweise weder eine Konjugation (Ich gehe, du gehst...), noch eine Deklination (der Hof, des Hofes...). Ein aus dem Chinesischen wörtlich ins Deutsche übersetzte Satz kann deshalb folgendermaßen klingen: "Gestern, er gehen auf Hof". Die Zeit wird lediglich durch das Wörtchen "gestern" deutlich.

Zurück zum Thema: Es stellte sich also heraus, dass Chinesisch auch viele leichte Seiten besitzt und wir blieben am Ball. Trotz der – wie gesagt – einfachen Grammatik, nahm natürlich das Erlernen der Schriftzeichen viel Zeit in Anspruch. Die Erfolge wurden lange nicht so schnell sichtbar wie beispielsweise beim Lernen von Englisch oder Französisch.

Neben dem sprachlichen Teil lernten wir aber auch vieles über die chinesische Kultur und ihre Besonderheiten. (Feste, Bräuche, etc…) Auch auf typische Fallen wurden wir hingewiesen.

Ich kann jedem sprachlich Interessierten nur raten, diese hervorragende Möglichkeit an unserer Schule nicht ungenutzt zu lassen. Abgesehen vom Spaß, sich einmal in ein völlig anderes System hineinzudenken, kann ich mir auch durchaus vorstellen, dass man davon in Zukunft möglicherweise beruflich profitieren könnte. Schön fände ich es auch, wenn in der Mittelstufe begonnene Kurse auf der Oberstufe fortgesetzt werden könnten.

Simon Freyer





Guten Tag!

Interview mit Frau Cheng
Lehrerin mehrerer Chinesischkurse an der IEGS

Frau Cheng, erzählen Sie ein wenig von sich und Ihrer Lebensgeschichte. Wie kommt man dazu in Deutschland Chinesisch zu unterrichten?

Schon in meiner Heimat Taiwan, der "Republik China", habe ich mich für europäische Kunst und deutsche Literatur interessiert. 1975 bin ich deshalb zur Fortsetzung meines in Taiwan begonnenen Studiums nach Deutschland gekommen. Ich lernte hier zunächst weiter Deutsch, danach studierte ich Germanistik und Sinologie an der Universität Hamburg. Wegen meiner guten Kenntnisse der chinesischen Sprache und Kultur und auch wegen meiner guten Aussprache wurde ich schon gleich zu Beginn des Studiums im Fachbereich Sinologie als studentische Hilfskraft für das Sprachlabor und den Chinesisch-Intensiv-Kurs engagiert. Später arbeitete ich dort als Lehrbeauftragte und schrieb nebenher meine Magisterarbeit. Von 1987 – 1989 war ich als Dozentin für chinesische Sprache an der Universität Hamburg angestellt, leitete anschließend elf Jahre lang die Chinesische Schule am Klosterstern und unterrichte seit 2001 an der Ida Ehre Gesamtschule.

In welchen Jahrgangsstufen unterrichten Sie zur Zeit?

Die Schüler, die z. Zt. an der IEGS Chinesisch lernen, kommen aus den Klassen 5 bis 10, sowie der 11. und der 12. Klasse.

Was sagen sie Schülern, die glauben, Chinesisch sei für sie viel zu schwer und kompliziert?

Chinesisch ist keine besonders schwierige Sprache, auch wenn die kompliziert wirkenden Schriftzeichen und die unterschiedlichen Tonhöhen bei der Aussprache das vermuten lassen. Das Erlernen der Schriftzeichen lässt sich durch ein bestimmtes System erleichtern, und die Grammatik der chinesischen Sprache ist sehr viel einfacher als die der deutschen. Es gibt zum Beispiel keinerlei Veränderungen der Endungen bei Verben, Nomen, Pronomen und Attributen.

Wie läuft eine typische Unterrichtsstunde mit ihnen ab? Welche Methoden setzen Sie ein?

Wir lesen zunächst gemeinsam den Text einer neuen Lektion in der Umschrift. Dann lernen wir die Vokabeln und die Grammatik. Danach machen wir schriftliche Übungen und Konversation. Um die Schriftzeichen leichter zu behalten, spielen wir am Ende des Unterrichts oft Bingo oder Memory – was uns allen Spaß macht.

Manchmal schreiben wir die Schriftzeichen mit dem Pinsel (Kalligraphie). Wir malen auch im chinesischen Stil, reden über chinesisches Essen (wobei wir hin und wieder kochen), über chinesische Namen, Tierkreise usw..

Fällt es Ihnen leicht, Ihre Schüler mit der chinesischen Sprache vertraut zu machen? Fällt es Ihren Schülern leicht, diese zu lernen?

Nun, ich habe schon eine ganze Menge Erfahrung mit dem Unterrichten. Die Aufgabe ist deshalb für mich nicht sehr schwierig. Auf jeden Fall macht es mir Spaß und ich versuche, den Spaß und die Freude auch den Schülern zu vermitteln und ihnen das Lernen damit zu erleichtern. Wie weit das erfolgreich ist, hängt natürlich von der individuellen Begabung und dem Fleiß der einzelnen Schüler ab.

Welche grundlegenden Unterschiede sehen Sie zwischen der deutschen und der chinesischen Sprache? Welche Bereiche sind für Europäer besonders schwierig zu verstehen? Was erscheint Europäern besonders leicht?

An Unterschieden zwischen der deutschen und der chinesischen Sprache sind insbesondere zu nennen:

1) Die chinesische Sprache gehört zur sino-tibetischen Sprachfamilie. Zu europäischen Sprachen bestehen keinerlei Verbindungen. Es gibt demgemäß kein gleiches oder auch nur ähnliches Wort, es sei denn der Ursprung eines europäischen Wortes liegt im Chinesischen, wie z.B. "Tee".

2) Die chinesische Sprache ist eine Tonsprache. Es gibt vier Töne zur Unterscheidung der Wortbedeutungen. Eine falsche Tonhöhe kann zu Missverständnissen oder gar zu peinlichen Situationen führen. Wenn man z.B. "darf ich bitte fragen" im falschen Ton ausspricht, versteht der/die Angesprochene möglicherweise "darf ich bitte küssen".

3) Die chinesische Sprache kennt, wie schon gesagt, keine Flexion. Es gibt auch keine bestimmten oder unbestimmten Artikel. Die Grammatik ist dementsprechend für Europäer, insbesondere auch Deutsche, verhältnismäßig einfach und gut überschaubar.

4) Die chinesische Schrift ist keine Lautschrift, wie die deutsche, sondern eine Symbol- oder Zeichenschrift. Es werden in ihr also nicht bestimmte, in ihrer Zahl begrenzte Buchstaben zu einem Wort zusammengefügt, sondern jedes Wort hat sein eigenes / seine eigenen Zeichen.

Wie schätzen Sie die zukünftige Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland, speziell Hamburg, ein?

Die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und China läuft insbesondere im Bereich des Handels zur Zeit auf Hochtouren. Es ist damit zu rechnen, dass es auf diesem Gebiet zukünftig weiteres, kräftiges Wachstum geben wird. Hamburg wird als Handels- und Hafenstadt davon in bedeutendem Maße profitieren. Mit etwa 300 chinesischen Firmen, die sich inzwischen hier angesiedelt haben, ist Hamburg schon jetzt der wichtigste deutsche Standort für das Reich der Mitte. Dazu passt, dass Hamburg auf Chinesisch "Hanbao" heißt, was wörtlich übersetzt "Burg der Chinesen" bedeutet. Auch das ein Grund, dass es viele Chinesen nach Hamburg zieht.

Seit 1986 besteht zudem eine Städtepartnerschaft zwischen Hamburg und Shanghai, der größten Stadt Chinas. Sie hat zu einem regen Austausch und zur Zusammenarbeit im Hafen- und Wirtschaftssektor geführt und setzt auch immer wieder Akzente im Kultur- und Bildungswesen. Ein Beispiel ist das Schüleraustauschprogramm, an dem ja auch unsere Schule nun schon seit Jahren beteiligt ist.

Ich denke, es lässt sich mit Recht vorhersagen, dass das Erlernen der chinesischen Sprache vielfältige, positive, nicht zuletzt berufliche Zukunftsperspektiven bietet.

Abschließend eine Frage für alle Interessierten: Ist abzusehen, wann ein neuer Chinesisch-Anfängerkurs an der IEGS beginnen könnte?

Das ist derzeit noch nicht abzusehen. Ich hoffe aber, dass die Frage sehr bald beantwortet werden kann.

Vielen Dank für dieses Gespräch, Frau Cheng.

Das Interview führte Simon Freyer ¨

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Bundeskongress
der
GGG
vom 23. – 25.9.2005
in
Kleinmachnow

 

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