Geschwister-Scholl-Gesamtschule –
ein Vierteljahrhundert Bewegung

25 Jahre Geschwister-Scholl-Gesamtschule – da gibt es viel zu erzählen. Zu viel jedenfalls, als dass die Geschichte

hier auch nur annähernd erschöpfend erzählt werden könnte. Das werden wir deshalb auch gar nicht versuchen.

Wir wollen statt dessen ein Kooperationsprojekt vorstellen, das zwar erst in den letzten Jahren entstand, aber weit zurück reichende Wurzeln hat.

Die Geschwister-Scholl-Gesamtschule besitzt heute im Eingangsbereich der Schule eine Cafeteria, die die SchülerInnen einladend empfängt und über eine hoch professionelle Küche verfügt. Betrieben wird diese Cafeteria von SchülerInnen und Schülern zweier BVJ-I-Klassen der Staatlichen Berufsschule Eidelstedt (G 12). BVJ steht für Berufsvorbereitungsjahr, das heißt, in diesen Klassen werden SchülerInnen unterrichtet, welche die allgemein bildende Schule ohne einen Abschluss verlassen oder keine Lehrstelle gefunden haben; sie erhalten eine Berufsqualifikation und haben die Möglichkeit, den Hauptschulabschluss zu erewerben. Das I steht für Integration: In diesen beiden Klassen lernen und arbeiten auch behinderte Schülerinnen und Schüler, einige von ihnen sind Ehemalige der GSG.

Wie kam es zu dieser Kooperation? Bereits seit zwölf Jahren arbeitet die GSG mit der G 12 im Bereich der Berufsorientierung für SchülerInnen mit Behinderungen zusammen: Unter Beteiligung von je einer KollegIn der G 12 wird in der I-Klasse des Jahrgangs 9 ein Holzprojekt, in Jahrgang 10 ein Restaurant-Projekt durchgeführt. Im Holzprojekt werden je nach der Entscheidung der betroffenen Klasse Gegenstände aus Holz produziert – vom Spielzeug bis zu gewaltigen Sitzmöbeln, auf die wir noch zu sprechen kommen werden.

Das Restaurant-Projekt wiederum lädt seit vielen Jahren jeden Dienstag SchülerInnen, LehrerInnen und auch Eltern zu einem Mittagessen in der Schule ein, wobei dieses Drei-Gänge-Menü von der Planung über den Einkauf und den Service bis zur Abrechnung und zum Abwasch von der I-Klasse produziert wird.

Nicht wenige I-SchülerInnen der GSG haben in diesen zwölf Jahren nach Abschluss der zehnten Klasse den Übergang in die G 12 gewählt, dort eine Berufsqualifikation erworben und anschließend einen Arbeitsplatz gefunden.

Als Anfang 2002 entschieden war, dass die GSG Ganztagsschule werden würde, erarbeiteten die Schulleitungen der GSG und der G 12 einen Projektvorschlag, den sie der Schulbehörde unterbreiteten und in der Folgezeit mit Nachdruck vertraten. Dieser Vorschlag bezog sich auf die oben dargestellte Kooperation und sollte sowohl der GSG die dringend benötigte Cafeteria als auch der G 12 einen weiteren Einsatzort "mit Ernstcharakter" für die von ihr geführten BVJ-I-Klassen verschaffen. Die ursprüngliche Idee, die wir gemeinsam mit dem Stadtteilbüro des Osdorfer Born verfolgten, beinhaltete außerdem das Konzept, den Cafeteria-Raum auch dem Stadtteil als Veranstaltungsraum zur Verfügung zu stellen; dieses Projekt konnte letztlich aus räumlichen und finanziellen Gründen nicht realisiert werden.

Gegen allerlei wiederum meist finanziell begründete Widerstände, aber auch mit viel Unterstützung gelang es uns jedoch, das Cafeteria-Projekt zu realisieren – das Ergebnis kann sich sehen (und schmecken) lassen! Der Schulleitung und den beteiligten KollegInnen der G 12 wie auch den mannigfachen Unterstützern in der Schulbehörde, im Bezirksamt und im Stadtteil sei an dieser Stelle noch einmal gedankt.

Die SchülerInnen der BVJ-Klassen aber stehen nicht nur in der Küche, sie kümmern sich ebenso um die Buchhaltung, die Logistik und die Lagerhaltung – und sie haben "ganz normalen" Unterricht. Sie können daher nur vier Wochentage in der Küche arbeiten. Hier nun kommt das bewährte Restaurant-Projekt der GSG ins Spiel: Seit Beginn des Schuljahrs 04/05 hat die I-Klasse 10c ihren Tätigkeitsbereich von der Schulküche in die Cafeteria-Küche verlagert und bekocht und bewirtet jeweils am traditionellen Dienstag ihre MitschülerInnen.

Die Cafeteria hat auch eine Terrasse, auf der es sich bei schönem Wetter ganz wunderbar sitzen lässt – wenn es denn die entsprechende Möblierung gibt. Diesen Bedarf hatte bereits im vergangenen Schuljahr das Holzprojekt der damaligen Integrationsklasse 9c vorhergesehen und hatte sich in Absprache mit der Schulleitung dafür entschieden, etwa zehn stabile und wetterfeste Tisch-Bank-Kombinationen her- und der Schule zur Verfügung zu stellen. Diese Tische stehen inzwischen vor der Cafeteria und erfreuen sich bei gutem Wetter großer Beliebtheit bei SchülerInnen wie KollegInnen.

Eins greift also ins Andere – und das ist einer Gesamtschule, die sich der Integration verschrieben hat und dabei ist, ihr Ganztagsangebot zu entwickeln und auszubauen, ja wohl auch angemessen. (Allerdings: Was Ganztagskonzepte betrifft, stehen die politischen Zeichen wohl mehr auf Abbau... Doch darum soll es heute nicht gehen.)

Die Cafeteria also "läuft", Aufenthaltsräume für den Ganztagsbetrieb konnten wir ebenfalls einrichten. Unbefriedigend bleibt, neben manchem anderen, der Zustand des Schulgeländes. Und hier soll das nächste Vorhaben ansetzen: Ausgehend von der Cafeteria-Terrasse wollen wir – SchülerInnen, Eltern, Kollegium und VertreterInnen des Stadtteils – im Rahmen eines Beteiligungsprojektes und mit Unterstützung u.a. aus Mitteln der Sozialen Stadtteilentwicklung das Schulgelände Schritt für Schritt umgestalten und Flächen und Orte für die unterschiedlichen Bedürfnisse der SchülerInnen schaffen.

Die Erfahrung hat uns gelehrt, dass es das Wichtigste ist, Ideen zu entwickeln und dann anzufangen. Wir werden das auch in den nächsten 25 Jahren so halten.

Frieder Bachteler ¨¨

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