Alles im Fluss
Von Montag, 30.08.04 bis Freitag, 03.09.04 wurde mit einer Vielzahl von Veranstaltungen das 25jährige Gesamtschuljubiläum gefeiert.

MBS geht an die Elbe
Schon über das Wochenende war der Eingangsbereich mit hunderten von bunten Fußspuren und einem großen Transparent mit der Zahl 6134 geschmückt worden…so viele Fünftklässlerfüße sind seit 1979 am ersten Schultag durch die Eingangstür gekommen. Der Montag gehörte dann den Vorbereitungen in den Klassen für den großen Festumzug am Dienstag. 1100 bunt kostümierte Schüler und Schülerinnen von der Vorschule bis zur 13. Klasse, das gesamte Kollegium und viele Eltern und Freunde der Schule zogen am Dienstag quer durch Altona an den Elbstrand bei Övelgönne. Vorneweg fuhr ein Trecker mit Anhänger, auf dem die Schulleiterin Barbara Riekmann und eine Kollegin unzählige Bonbons verteilten. Ihm folgte die schuleigene Sambaband, die für Stimmung und Freude bis zum Ziel sorgte und der sich der lange Zug der SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern anschloss. Leider spielte das Wetter nicht mit. Kräftige Regenschauer verkürzten den Aufenthalt an der Elbe beträchtlich, von den vielen geplanten Aktivitäten konnten nur wenige stattfinden, der Grillstand jedoch, geschützt unter einer Plane, war noch lange umlagert. Über 1800 Bratwürstchen fanden ihre Abnehmer.
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SchülerInnen machen Schule
Am Mittwochvormittag hatten die Schüler und Schülerinnen das Heft in der Hand. In über 110 Kursen waren sie die Lehrer und boten die verschiedensten Aktivitäten an: Tanzen, Sport, Kochen, Kerzengießen, Trommeln, Bauchtanz, Schach, Fotoshooting, Rap, Yoga, 1. Hilfe, Graffiti und viele weitere Angebote wurden von den SchülerInnen mit viel Spaß und Ernsthaftigkeit durchgeführt und wahrgenommen. Besonders spannende Momente gab es da, wo ältere SchülerInnen Angebote für jüngere durchführten oder jüngere KursleiterInnen älteren Kursteilnehmern etwas beibrachten.
Lernen auf neuen Wegen
Der Mittwochnachmittag stand ganz im Zeichen der Neuen MBS. Im Rahmen eines Symposiums diskutierten viele kritische Freunde aus nah und fern, die zum Anlass des 25jährigen Jubiläums der Einladung gefolgt waren, mit den Kollegen und Kolleginnen den Konzeptentwurf für die Neue Max-Brauer-Schule und gaben wertvolle Rückmeldungen und Anregungen. Mit ihrem Konzept ist die Schule im Februar 04 in das Programm "selbstverantwortete Schule" in Hamburg aufgenommen worden und bewirbt sich um die Mitgliedschaft im Kreis der "Club of Rome" - Schulen. In ihrer Begrüßung ließ B. Riekmann die wechselvolle Geschichte der Max-Brauer-Schule Revue passieren und führte dann aus: "Und die nächsten 25 Jahre? Die Begleitmusik der vergangenen 25 Jahre waren neben den Kürzungen die äußeren Rahmensetzungen,
unter denen Schule gemacht wurde. In vielerlei Hinsicht haben wir immer wieder die Erfahrung gemacht, dass das Wünschenswerte an Grenzen stößt, die z.B. durch die Ausbildungsordnung, die KMK-Auflagen, durch räumliche Vorgaben oder auch durch schlichte Stundenplanprobleme gegeben sind. Das wirkt wie eine Zangenbewegung: Je knapper die Versorgung von Schule wird, desto verengender wirken auch die äußeren Rahmensetzungen. Zunächst hieß es für einige von uns: Hier müssen wir raus aus dem System. Raus aus dem System von Denkgewohnheiten, Schule auch ruhig einmal neu träumen, Grenzen überschreiten. Das befreit aus der Zangenbewegung und macht mutig und kühn. Inzwischen ist mit dem Konzept für eine Neue Max-Brauer-Schule der Weg gezeichnet (…) Die MBS verlässt damit ausdrücklich nicht den Kreis der Gesamtschulen. Deren Ziele – nämlich Chancengleichheit und Integration – heute wichtiger denn je, gilt es mit der Neuen Max Brauer Schule noch besser gerecht zu werden. Darum ging es in den vergangenen 25 Jahren, darum geht es in den nächsten Jahren".
Das doppelte Lottchen
Am Abend entführte Dr. Ernst Rösner vom Institut für Schulentwicklungsforschung in Dortmund, der für den erkrankten Klaus Jürgen Tillmann als Festredner eingesprungen war, sein aufmerksames Publikum kurzzeitig in die Welt von Erich Kästners Kinderbuch "das doppelte Lottchen". Unter der Überschrift "das doppelte Lottchen im deutschen Schulwesen" beschrieb Dr. Rösner einige "Schieflagen des deutschen Bildungssystems", die durch PISA deutlich geworden seien, begründete die Notwendigkeit einer Strukturdebatte und hielt ein Plädoyer für die Heterogenität in den Klassen: "Doch mit der Heterogenität ist das in Deutschland so eine Sache: Abgesehen von den Grundschulen kennt sie in Westdeutschland kaum jemand aus eigener Erfahrung. Nun, im Jahr 3 nach PISA, rufen Experten händeringend nach Lehrkräften, die für den Einsatz in leistungsgemischten Gruppen der Sekundarstufen qualifiziert sind.(…) Und so nicken immer noch viele Zeitgenossen gläubig, wenn uns die ebenso beliebte wie betagte Metapher aufgetischt wird, nach der Unterricht nur ablaufen kann: wie ein Geleitzug, dessen Geschwindigkeit sich nach dem langsamsten Schiff zu richten hat. Doch Lernfortschritte, so wissen wir inzwischen, vollziehen sich nicht nach Maßgabe einprägsamer Metaphern, sondern viel mehr nach dem Anregungsreichtum, der offenkundig von leistungsheterogenen Gruppen ausgeht. Und selbstverständlich von Lehrkräften, die ausgebildet sind, dieses Potenzial zu nutzen – und, am Rande bemerkt, keine Chance haben, die für ungeeignet Befundenen vorzeitig zu verabschieden".
MBS rockt

Mit zwei Tanzfesten wurde die Festwoche beschlossen. Der Donnerstagabend gehörte den Schülern. Jazzige Rhythmen einer Gruppe der Jugendmusikschule, Rap und Soul von zwei Schülergruppen der MBS und ein DJ, der wusste, was gerade aktuell ist, brachten viel Stimmung in die Aula. Am Freitagabend feierte das Kollegium mit Partnern und Partnerinnen, vielen ehemaligen Kollegen und Kolleginnen und dem Elternrat in der Aula den Abschluss der Festwoche. Drei Lifebands, darunter die in Gesamtschulkreisen sehr bekannten "Midlife Ramblers" sorgten dafür, dass viel und lange getanzt wurde.
Wolf Lüders ¨ ¨
