Elterngespräche hatten und haben ihren eigenen Charakter. Meist zweimal im Jahr können sich Eltern über den Stand der Leistungen und des schulischen Verhaltens ihrer Kinder bei KlassenlehrerInnen in kurzer, knapper Form informieren – angetrieben von der Stechuhr der schulischen Zeitvorgabe. Das Ergebnis dieser Gespräche ist oft unbefriedigend, sagt wenig aus und führt leider oft dazu, dass Eltern bald jegliches Interesse an diesem so wichtigen Kontakt verlieren.
Als ein Ergebnis des ARGE-Seminars haben sich Eltern aus mehreren Gesamtschulen damit beschäftigt, Vorschläge für andere Inhalte und einen veränderten Ablauf dieser Sprechtage zu entwickeln.
Die folgenden Punkte wurden von der Arbeitsgruppe bereits an einigen Schulen den Eltern und Teilen der dortigen Lehrer-schaft vorgestellt und mit ihnen diskutiert. Viele Eltern äußerten ihren Unmut über den jetzigen Ablauf der Gespräche – viele LehrerInnen beklagten den hohen Zeitaufwand, der sehr oft keine Ergebnisse zeigt.
Trotz einiger Bedenken, die zumeist die
organisatorische Umsetzung betrafen, war die Reaktion auf die Anregungen der Arbeitsgruppe überwiegend positiv und es wird schon an einigen Schulen beraten, welche Schritte sich möglichst bald umsetzen lassen.
Vorschlag zur Gestaltung des Sprechtages
Ziele:
· Frühe Eigenverantwortung der SchülerInnen für ihren Schulerfolg
· Einbeziehung der Eltern in den Schulalltag Ihres Kindes
· individuelle Betrachtung der SchülerInnen durch die LehrerInnen.
· SchülerInnen werden auf ihrem Weg begleitet – LehrerInnen leiten an und geben Rat – Eltern unterstützen.
Vorbereitung
Die Schülerin/der Schüler füllt gemeinsam mit den Eltern einen Fragebogen aus. (Hierzu gibt bereits Entwürfe, z.B. an der GS Winterhude, der GS Niendorf und der Max Brauer Schule.)
Die Schülerin/der Schüler wählt eine Lehrerin/einen Lehrer für das Gespräch aus, der sie/ihn gut kennt. Dies muss nicht zwingend die/der KlassenlehrerIn sein, sondern kann auch, besonders in höheren Jahrgängen, ein/e FachlehrerIn sein, da durch die äußere Leistungsdifferenzierung manche SchülerInnen im Fachunterricht kaum noch durch ihre Tutoren unterrichtet werden. Eine Lehrerin, zu dem/der die Schülerin Vertrauen hat, kann besser in Konfliktfällen beraten, da die Gesprächs-Atmosphäre offener ist.
Ist die ausgewählte Lehrkraft mit dem Gespräch einverstanden, füllt sie ebenfalls den Fragebogen aus und beschafft sich die fehlenden Informationen zu den Leistungen der Schülerin/des Schülers in den anderen Unterrichtsfächern bei den entsprechenden KollegInnen.
In Konfliktfällen und bei sprachlichen Verständigungsschwierigkeiten kann eine weitere Person an dem Gespräch teil-nehmen - wenn möglich eine Mitschülerin oder ein Mitschüler.
Durchführung
Allgemein:
Die Gespräche sollen nach Möglichkeit zweimal pro Schuljahr stattfinden.
Entweder in der Zeit vor und nach den jeweiligen Halbjahreszeugnissen. Ergebnisse sollen betrachtet und für die kommende Zeit soll geplant werden. Schwerpunkt ist dann aber die Einschätzung durch die LehrerInnen, da das erteilte Zeugnis ein wesentlicher Gesprächspunkt sein wird.
Oder Gespräche finden statt jeweils zu Beginn des Schulhalbjahres (bei Eingangsklassen in der Mitte des 1.Halbjahres) Vorsätze werden gefasst und umgesetzt. Die hierfür notwendige Eigenverantwortung der SchülerInnen muss zum Teil noch gefördert werden. Begonnen werden kann damit bereits in der Grundschule.
Wichtig ist dabei: die Gespräche finden „auf Augenhöhe“ statt - es darf nicht über die Schülerin oder den Schüler geredet werden, sondern immer mit ihr oder ihm. Die Atmosphäre muss offen und vertrauensvoll sein.
Die Leistungsrückmeldungen und die Berichte zum Sozialverhalten sollen für die SchülerInnen und Eltern nachvollziehbar und verständlich sein, nicht entmutigen und eine realistische Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit unterstützend beeinflussen.
Wo nötig, sollen Schritte zur Verbesserung und Möglichkeiten der Unterstützung aufgezeigt werden.
Konkret:
LehrerIn, SchülerIn und ein Elternteil treffen sich in der Schule und vergleichen die ausgefüllten Fragebögen. Ursachen für voneinander abweichende Angaben werden kurz besprochen. Und es wird gemeinsam festgelegt, welche Themen von besonderer Bedeutung für die Schulfreude und den Lernerfolg sein können. Die beiden wesentlichen Punkte werden ausführlich besprochen und gemeinsam - besonders unter Einbeziehung der Schülerin/ des Schülers - eine Vereinbarung zur Veränderung bzw zur Verbesserung erarbeitet. Die Konsequenzen, die sich ergeben werden, wenn keine Veränderung stattfindet, werden deutlich angesprochen.
Inhalt des Gespräches kann gleichwertig zu „messbaren“ Leistungen auch das Sozial- und Arbeitsverhalten und die Motivation der Schülerin/des Schülers sein.
Das Problem, die Schritte zur Bewältigung, das Ziel und die Konsequenzen bei Nichterreichung des Zieles sowie ein Zeitplan werden in Stichpunkten schriftlich festgehalten, sind verbindlich und von allen TeilnehmerInnen zu unterschreiben. Das Schreiben wird zum nächsten Gespräch wieder vorgelegt und der Erfolg besprochen.
In dem Schreiben können auch die Punkte aufgenommen werden, die als weniger dringlich zu behandeln eingestuft wurden, aber gelegentlich überprüft werden sollten.
Für besonders schwierige Fälle verfügt die Lehrerin/ der Lehrer über eine Liste mit Adressen von zusätzlichen außerschulischen Hilfsangeboten.
Ein Gespräch dauert ca. 30 Minuten – danach sollte für die Lehrkraft eine Pause von mindestens 15 Minuten bis zum nächsten Gespräch sein.
Für die ARGE –Arbeitsgemeinschaft der Elternräte der Gesamtschulen in Hamburg – aufgeschrieben von
Sybille Marth
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